Chronisch-komplexer Tinnitus

Viele Patienten mit chronischem (langdauernden) Tinnitus leiden zusätzlich unter psychischen oder psychosozialen Folgeproblemen. Das Ohrgeräusch stellt häufig eine große Belastung bei normalen Aktivitäten des Alltags dar und nicht selten kommt es zu erheblichen beruflichen oder persönlichen Beeinträchtigungen.

Typische Symptome der Betroffenen mit chronisch-komplexem Tinnitus sind:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • ein Gefühl des ständig Belästigtseins durch das Ohrgeräusch
  • depressive und ängstliche Verstimmungen
  • Hoffnungslosigkeit und sozialer Rückzug

Der Lebensradius der Betroffenen engt sich zunehmend ein, wenn der Tinnitus zum zentralen Problem geworden ist und dennoch keine Aussicht auf Heilung im Sinne einer Symptombeseitigung besteht. Im Langzeitverlauf kann das körperliche Symptom Tinnitus hinter die vielfältigen psychischen und psychosozialen Begleit- und Folgesymptome zurücktreten.

Ursachen

Die medizinischen Ursachen einer Tinnituserkrankung können vielfältig sein. Manche Betroffene haben einen Hörsturz (plötzlich eintretende, vorübergehende Hörminderung) erlebt, als oder bevor ihr Tinnitus begann. Innenohrschädigungen in Folge von starker Lärmbelastung, Knalltrauma oder aufgrund von Alterungsprozessen sind ebenfalls häufig. In einigen Fällen steht der Tinnitus auch mit Funktionsstörungen der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks in Verbindung. Gemeinsam ist den genannten Ursachen, dass sie nicht Zeichen einer schweren Erkrankung sind, obwohl sich die Betroffenen vielfach große Sorgen um ihren Gesundheitszustand und um etwaige spätere Komplikationen machen. Nur in sehr seltenen Fällen ist der Tinnitus mit einer schweren Erkrankung des Gehörsystems oder des zentralen Nervensystems verbunden.

Psychische Folgesymptome können sich grundsätzlich bei jedem Tinnitus-Betroffenen entwickeln. Stressfaktoren wie starke berufliche Belastung oder dauerhafte Überforderung scheinen die Entwicklung des chronisch-komplexen Tinnitus eher zu begünstigen. Es gibt jedoch keinen Beweis für eine psychische Verursachung von Tinnitus, auch wenn keine medizinischen Gründe gefunden werden können. Nach heutigem Konzept geht man davon aus, das übermäßige Aufmerksamkeit auf den Tinnitus und starke Krankheitsängste entscheidend am Zustandekommen eines chronisch-komplexen Tinnitus beteiligt sind. Durch die Folgeprobleme kann ein "Teufelskreis" in Gang gesetzt werden, der wiederum das Störungsbild aufrecht erhält.

Behandlungsansätze

Die Hauptziele der psychologischen Behandlung bestehen darin, eine allmähliche Gewöhnung (Habituation) an den Tinnitus zu fördern und effektive Bewältigungsstrategien im Sinne einer verbesserten Krankheitsbewältigung einzuüben. Nach dem heutigen Stand der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten muss davon ausgegangen werden, dass ein chronisch gewordener Tinnitus auch weiterhin fortbestehen wird und die tatsächlichen Heilungschancen nur minimal sind. Daher müssen sich die Betroffenen mit dieser Symptomatik auseinandersetzen, um zu einer hilfreichen inneren Einstellung zu finden und unabhängig vom Tinnitus ihre Lebenszufriedenheit zu verbessern.

Weitere Behandlungsansätze basieren auf den Prinzipien der Verhaltenstherapie. Bei diesem Ansatz lernen die Betroffenen, ihre Aufmerksamkeit gezielt vom Tinnitus wegzulenken und somit mehr Akzeptanz zu entwickeln. Es wird in der Behandlung erarbeitet, wie inadäquate automatische Gedanken oder Überzeugungen über den Tinnitus zu unangenehmen Gefühlen und längerfristigen emotionalen Belastungen führen können. Daher wird intensiv daran gearbeitet, realistische oder hilfreiche Gedanken zu entwickeln und somit zu einer emotionalen Entlastung beizutragen. Weitere Themen der kognitiven Therapie beim chronisch-komplexen Tinnitus sind der Aufbau von Bewältigungsstrategien, die Auseinandersetzung mit Krankheit und Gesundheit, die Entwicklung realistischer Einschätzungen und Verhaltensweisen gegenüber dem medizinischen System. Insgesamt kann durch diesen Behandlungsansatz bei der überwiegenden Zahl von Betroffenen eine erhebliche Besserung des psychischen Leidensdrucks und der psychosozialen Beeinträchtigungen erreicht werden.

Behandlungsprogramm

Es stehen zwei Behandlungsformen zur Verfügung:

Kurzzeitbehandlung

eine Kurzzeitbehandlung mit insgesamt vier Doppelstunden (einmal wöchentlich). Hierbei stellen Psychoedukation, das Erlernen einer Entspannungstechnik und der gegenseitige Erfahrungsaustausch der Tinnitus-Betroffenen die wichtigsten Komponenten dar. 

Länger dauernde Behandlung

eine länger dauernde Behandlung mit insgesamt 10 Doppelstunden (ebenfalls einmal wöchentlich). Dieses Programm umfasst neben den Elementen der Kurzzeitbehandlung weitere psychologische Interventionen auf der Basis der oben skizzierten Psychotherapie. Es erfolgt ein manual-geleitetes Vorgehen, bei dem die teilnehmenden Betroffenen in der Gruppe die kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihrem chronischen Tinnitus genauer analysieren. Durch aktive Mitarbeit und Hausaufgaben können Veränderungen im Denken und im Verhalten erreicht werden, die wiederum zu einer Linderung der subjektiven Tinnitusbelastung führen. Zum Abschluss des Programms werden Möglichkeiten der Rückfallprophylaxe besprochen und eingeübt.

Methoden:

  • Aufmerksamkeitslenkung
  • Kognitive Umstrukturierung
  • Aufstellungen, Entspannungstraining (Jakobsen)
  • Stressmanagement
  • Problemlösetraining

Zielgruppe

Das Behandlungsprogramm richtet sich an alle Betroffenen, die aufgrund ihres chronischen Tinnitus Hilfestellung bei der Bewältigung von aufkommenden oder bereits massiv vorhandenen psychischen Symptomen benötigen.
Eine vorherige gründliche HNO-ärztliche Untersuchung und Behandlung muss vorausgesetzt werden. Die Behandlungen in der Psychotherapeutischen und Psychologischen Praxis Villach verstehen sich nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur üblichen medizinischen Behandlung. Daher wird eine enge Kooperation mit den zuständigen HNO-Ärzten angestrebt.

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