MAGERSUCHT "Anorexia nervosa"

Unter Anorexia nervosa oder Magersucht versteht man eine krankhafte Essstörung, die durch starken Gewichtsverlust gekennzeichnet ist und sich dadurch von der Bulimie, umgangssprachlich auch Ess-Brech-Sucht genannt, unterscheidet.

Typischerweise sind junge Frauen betroffen, wobei der Krankheitsbeginn meist in der Pubertät liegt. Etwa 1% der Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren leidet an Anorexie. Die Ursachen der Magersucht sind vielfältig und basieren auf genetischen Faktoren, psychischen Belastungen in der Pubertät durch Veränderung des Körpers und ungelöste familiäre Konflikte sowie gesellschaftliche Einflüsse wie das Schlankheitsideal unserer Zeit. Es kommt zu einer Körperschemastörung, das heißt, die Patienten fühlen sich auch bei hochgradigem Untergewicht zu dick und zwingen sich zu weiterer Gewichtsreduktion.

Krankheitszeichen

  • Gewichtsverlust: Der BMI (Body-Mass-Index= Gewicht in kg geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat, Normalbereich 19 - 25). liegt unter 17, d.h. bei einer „normalen Köpergröße" von ca. 1,65 m fällt das Gewicht unter 45 kg. Der Gewichtsverlust ist mit Absicht herbeigeführt worden, durch Diät, Bewegung, Diuretika, Abführmittel, Appetitzügler und /oder Erbrechen.
  • Körperschemastörung: Trotz starker Gewichtsabnahme, fühlt sich die Betroffene immer noch zu dick.
  • Veränderte Essgewohnheiten: Kalorienreiche Nahrung wird gemieden. Das Essen wird zu einer Prozedur, selbst kleine Mahlzeiten dauern sehr lange.
  • Körperliche Schäden durch die Mangelernährung: Ausfall der Monatsblutung durch Hormonstörung, Haarausfall, Reifungshemmung.
  • Seelische Veränderungen: Die Betroffenen haben panische Angst vor der Gewichtszunahme, häufig sind sie depressiv und stark reizbar oder leben in sozialer Isolation.

Komplikationen

  • Permanenter Hungerzustand und dadurch bedingter Nährstoffmangel löst eine Osteoporose (Verminderung von Knochensubstanz) und Schäden an Herz, Leber, Niere und Gehirn aus. Bei Jugendlichen setzt eine Wachstumshemmung ein.
  • Es treten Müdigkeit und Konzentrationsschwäche auf.
  • Das psychische Gleichgewicht geht verloren und Missmut, Depressionen und Selbstmordgedanken kommen auf. Dazwischen kann es aber auch zu Hochstimmungen und Überlegenheitsgefühlen kommen (Stolz, das Hungergefühl besiegt zu haben).
  • Das Sterberisiko durch Selbstmord oder Unterernährung ist stark erhöht, bis zu 10 % der Erkrankten sterben unmittelbar an den Folgen der Magersucht

ESS-BRECH-SUCHT "Bulimia nervosa"

Ess-Brech-Sucht ist eine Essstörung mit wiederholten Heißhungerattacken, überwiegend bei Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Charakteristisch sind hastiges anfallsartiges Verschlingen von großen Mengen kalorienreicher Nahrung und das sofortige Erbrechen danach. Anfangs wird das Erbrechen mit der Hand ausgelöst, später ist es meist wie ein Reflex.

Typischerweise sind diese Patienten immer auf Diät, ihre Gedanken kreisen den ganzen Tag um das Thema Essen. Sie gebrauchen neben dem Erbrechen die verschiedensten Methoden, um Gewicht zu verlieren: Fasten, Sport, Abführmittel, Diuretika und andere Mittel, sie haben ein gestörtes Verhältnis zum Körper mit großer Furcht vor Gewichtszunahme. Sie sind normal oder leicht übergewichtig.

Die Patienten leiden meist unter einer Selbstwertproblematik, die sie durch eine besonders attraktive Gestaltung ihrer „äußeren Schale" zu kompensieren versuchen. Im Kontaktbereich können sie Grenzen oft nur extrem, d.h. überzogen oder gar nicht setzen, was zu typischen Beziehungsproblemen führt: (Wünsche nach „totaler Nähe" und Versorgung mit plötzlichen, zunächst unverständlichen Beziehungsabbrüchen = Distanzierung). In der Kindheit wurden die Patienten zwar oft intensiv umsorgt, aber in ihrer Autonomie und Selbstentfaltung stark eingeschränkt. Oft ist das Essen ein „Familienthema".

Das Essen wird als Spannungs- und Problemabbau erlebt, gleichzeitig besteht panische Angst vor dem Zunehmen. Die Gedanken kreisen stets um die Themen Essen, Diät und Figur.

Krankheitszeichen

  • Besonders abends oder nachts Heißhungerattacken
  • Erbrechen nach dem Essen
  • Gebrauch von Abführmitteln, Appetitzüglern und Arzneimitteln, die zu einem Gewichtsverlust durch vermehrte Wasserausscheidung führen (Diuretika)
  • Diäten und Fasten
  • Soziale Isolation
  • Die Menstruation wird unregelmäßig

Es kommt immer wieder zu einem so starken Verlangen, etwas zu essen, so dass alle Diätvorsätze gebrochen werden. Große Mengen an fetten u. süßen Speisen werden heimlich gegessen.

Nach exzessivem Genuss entstehen Scham und Schuldgefühle. Anschließend wird versucht, durch das Erbrechen alles rückgängig zu machen (das bezeichnet man als „purging"). So gereinigt, wird die Diät bis zur nächsten Essattacke fortgesetzt.

Komplikationen

  • Häufiges Erbrechen führt zu einem Mangel an lebenswichtigen Salzen, es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen.
  • Zahnschäden durch Erbrechen (durch die Magensäure).
  • Magen- und Darmstörungen (Verstopfung), Magenentzündung (Gastritis).
  • Erbrechen reizt die Schleimhaut der Speiseröhre und des Magens, schmerzhafte Blutungen oder Narben können entstehen.

FETTSUCHT "Adipositas"

Für Menschen, die an dieser Form von Essstörung leiden, sind "Fressanfälle" Alltag. Im Gegensatz zu bulimischen Menschen gelingt es ihnen nicht mehr, ihr Gewicht dauerhaft zu kontrollieren, d.h. man sieht ihnen ihr Problem auf den ersten Blick an. Ein Fettsüchtiger hat das Gefühl für die Grenzen körperlicher Sättigung verloren. Er isst nicht nur "zuviel", sondern auch "falsch" (sehr fett- und zuckerlastig). Dadurch kommt es zu einer Vermehrung des Fettgewebes und in der Folge zu Übergewicht.

Letztlich stimmt das Gleichgewicht zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Kalorienverbrauch, also vor allem der Bewegung nicht. Die Quote der adipösen Bevölkerung steigt mit zunehmendem Alter. Dies ist oft Folge eines Missverhältnisses zwischen aufgenommenen Kalorien und Verminderung der körperlichen Aktivität mit zunehmendem Alter. Hierbei spielt einerseits die Reduktion des Stoffwechselumsatzes nach Beendigung des Wachstums, aber auch die meist reduzierte körperliche Aktivität durch Beruf und andere Faktoren mit zunehmendem Alter eine Rolle.

Bei den psychologischen Faktoren spielen Überbehütung und Verwöhnung in der Kindheit eine Rolle. Übergewichtige habe oft eine sehr geringe Frustrationstoleranz und benutzen Essen zur Spannungsreduktion, d.h. um Ärger und andere Gefühle in sich „stillzulegen". Im Kontakt dient der „Fettpanzer" oft dazu, sich andere „vom Leibe zu halten".

Komplikationen

  • Die Lebensqualität sinkt, was sich psychisch z.B. in Depressionen niederschlagen kann.
  • erhöhter Blutdruck mit weitreichenden Konsequenzen (Herz- und Hirninfarktrisiko wird erhöht).
  • Blutfettentgleisung (Infarktrisiko steigt).
  • orthopädische Beschwerden durch die Überlastung von Knochen und Gelenken.
  • Diabetes-Risiko steigt, ein Diabetes ist wiederum mit einer ganzen Reihe von erhöhten Risiken verbunden.
  • Atemwegerkrankungen und Schlafstörungen.

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl verschiedenster Schlankheitsdiäten, die sich von »sinnvoll« über »weniger sinnvoll« bis hin zu »gefährlich« einordnen lassen. Nahezu jedes Lebensmittel wird irgendwann einmal als ideales Mittel zum Abnehmen propagiert. Teilweise versprechen die Erfinder der Diäten mit Anpreisungen wie „ohne Hungern schlank und fit", „fünf Pfund in drei Tagen" wahre Wundererfolge.

Das Wunder funktioniert nur für die Anbieter, denn es gibt keine schnelle und veränderungsfreie Abnahmewunderkur. Da alle diese Diäten, auch wenn sie ernährungsphysiologisch vernünftig sind, an dem Suchtcharakter der Esssucht vorbeigehen, können sie vom Grundsatz her nicht funktionieren. Sie enden im „Jojo-Effekt", d.h. nach einer Phase der Selbstkontrolle (und des Abnehmens mit der freudigen Illusion: Jetzt habe ich es geschafft!) bricht die nur zeitweise zu kontrollierende Gier wieder durch und sorgt meistens für eine Gewichtszunahme über das ursprüngliche Gewicht hinaus.

Zunächst mal heißt es Abschied zu nehmen von den Hoffnungen auf eine ganz schnelle Radikalkur. Bei den therapeutischen Vorgehensweisen hat sich längerfristig nur die Strategie einer Normalisierung des Ess- und Bewegungsverhaltens bei gleichzeitiger Bearbeitung von offenen Konfliktthemen (im Rahmen einer psychologischen Behandlung) bewährt.

Dabei spielt auch die körperliche Aktivität eine wichtige Rolle. Auch hier ist ein geduldiger Aufbau einer normalen Konditionsbelastung (z.B. durch walken, joggen oder schwimmen) wesentlich. Wenn der Körper wieder als Quelle von positiven Gefühlen (z.B. die gesunde Erschöpfung und das Gefühl der Kraft nach gut dosierten Bewegungsübungen) erlebt wird, dann ist das auch die Grundlage für ein positives Selbstgefühl.

ESSATTACKEN "Binge-Eating-Disorder"

Binging bedeutet wörtlich „gieriges Essen, vollstopfen". Das Binge-Eating entspricht gewissermaßen einer Bulimie, jedoch ohne Erbrechen oder andere gewichtsreduzierende Manipulationen (die man als „purging" bezeichnet) und ist daher oft mit Übergewicht verbunden. Der Begriff hat sich im angloamerikanischen Bereich entwickelt und wird heute auch in Europa mehr beachtet. Aufgrund einiger Besonderheiten haben sich in den letzten Jahren einige psychologische Spezialeinheiten für das Binge-Eating erfolgreich etabliert.

Zur Abgrenzung: Die andere Form des Überessens mit Übergewicht ist gekennzeichnet durch ständiges Essen ohne Essanfälle im engeren Sinne. Man bezeichnet diese Form auch als „Spiegelessen" (in Anlehnung an das Spiegeltrinken von Alkoholikern).

Das Binge-Eating ist aufgrund des gut abgrenzbaren Problemverhaltens mit guter Erfolgsaussicht klinisch-psychologisch zu behandeln. Andererseits erfahren Betroffene größere Schwierigkeiten, in Gewichtsreduktionsprogrammen und nehmen meistens schnell wieder zu, nicht selten über das ursprüngliche Gewicht hinaus. Das liegt daran, dass das Binge-Essverhalten oft eine Suchtdynamik hat. Eine tiefergehende Verbesserung wird dann erst mit einer therapeutischen Auflösung dieser Problematik möglich.

Krankheitszeichen

  • Wiederholte Episoden von „Fressanfällen"
  • Die Episoden von „Fressanfällen" treten gemeinsam mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:
    - wesentlich schneller essen als normal,
    - essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl,
    - essen großer Nahrungsmengen, wenn man sich körperlich nicht hungrig fühlt,
    - Alleine essen aus Verlegenheit über die Menge, die man isst,
    - Ekelgefühle gegenüber sich selbst, Depression oder große Schuldgefühle nach dem übermäßigen Essen.
  • Es besteht ein deutliches Leiden wegen der „Fressanfälle"
  • Die „Fressanfälle" treten im Durchschnitt an mindestens 2 Tagen in der Woche für 6 Monate auf.
  • Die „Fressanfälle" gehen nicht mit dem regelmäßigen Einsatz von unangemessenen kompensatorischen Verhaltensweisen einher (gegen - regulatorische Maßnahmen), und sie treten nicht ausschließlich im Verlauf einer Anorexia nervosa (Magersucht) oder Bulimia nervosa (Essbrechsucht) auf.

Beratung & Behandlung

Der Schwerpunkt der psychologischen Arbeit liegt in der Aufarbeitung der psychischen und sozialen Hintergründe, die hinter dem Symptom liegen. Im Vordergrund des psychologischen Prozesses steht die Loslösung aus dem Abhängigkeitsverhältnis zum Essen bzw. Hungern und nicht die Gewichtsabnahme bzw. -zunahme.

Behandlungsziele sind für mich z.B. das Verstehen und Anfreunden mit dem Symptom, die Entwicklung eines positiven Körperbildes, das Erlangen von Autonomie sowie das Gewinnen einer veränderten Haltung gegenüber dem Essen dar.

Ich sehe es als Behandlungserfolg, wenn die Betroffenen in Kontakt mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen kommen und spüren, dass sie nur eigenverantwortlich ihre Essstörung bewältigen können, als Expertinnen ihrer selbst.

Beratung & Therapie

Die Praxis für Psychotherapie und Psychologie bietet Informationen, Beratung sowie Therapie der Ursachen, Erscheinungsformen und Behandlungsmöglichkeiten von Essstörungen an.

Ich richte mich mit meinem Angebot an Betroffene, Angehörige von Menschen mit Essstörungen und an Personen, die mit Betroffenen in ihrem beruflichen Umfeld konfrontiert sind. Vor allem jugendliche Mädchen und Burschen mit der Problematik sind herzlich eingeladen sich beraten zu lassen.

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Meine Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Villach - Kärnten steht für alle Beratungen und Behandlungen mit bis zu 6 Personen zur Verfügung.

Kosten:

Sie haben die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss bei Ihrer Sozialversicherung zu stellen. Wird dieser genehmigt, erstattet diese Ihnen einen Teil des bezahlten Honorars zurück.

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